Eckhard Fuhr: „Derartige Petitionen erschweren das Management der Wölfe!“

„Ich halte die Unterschriftenaktionen gegen eine mögliche Tötung von Problemwölfen für dumm und schädlich. Damit macht man ein Wolfsmanagement, das nun einmal unterschiedliche Interessen berücksichtigen muss, nahezu unmöglich. Es ist da in der Petition davon die Rede, dass der Goldenstedter Wölfin kein „Unrecht“ geschehen dürfe und der Grundsatz „in dubio pro reo“ zu gelten habe.

Das sind völlig unangemessene Kategorien. Diese Denkweise macht mich sprachlos und bestärkt mich in der Vermutung, dass die größte Gefahr für die Akzeptanz der Wölfe von der Gemeinde ihrer Beschützer ausgeht.

Auch sachlich steht in der Petition neben einem Haufen Binsenwahrheiten auch eine Menge Unsinn. Die Litanei vom überall möglichen Herdenschutz gehört dazu. Die Wölfin lernt, jede für die Tierhalter praktikable Schutzmaßnahme zu überwinden. Dieser Lernprozess muss beendet und es muss ausgeschlossen werden, dass die Wölfin das Gelernte an mögliche Nachkommen weiter gibt.

Gerade kleine Hobby-Schafhaltungen können keinen immer weiter wachsenden Herdenschutzaufwand betreiben. Geben die Hobby-Schafhalter aber auf, wäre das ein riesiger Schaden für den Natur- und Artenschutz und die genetische Vielfalt unserer Nutztiere. Denn wer hält denn die wenig produktiven alten Rassen, die als Genreserve dringend gebraucht werden?

Wer den Wölfen eine Zukunft in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft sichern will – und ich will das mit aller Leidenschaft – muss sich vor einem Tunnelblick auf den Wolf hüten. Der Wolf darf nicht zum vergötterten Wildnisheiligen werden, der alle anderen Aspekte und Interessen des Arten- und Umweltschutzes deklassiert.

Kein Naturschützer stellt ernsthaft infrage, dass Schalenwildbestände aus ökologischen und ökonomischen Gründen reguliert werden müssen. Nun sind Wölfe kein Schalenwild und können nicht auf die gleiche Weise reguliert werden. Deshalb bin ich entschieden gegen eine Bejagung der Wölfe.

Aber wenn einzelne Exemplare eine nachhaltige, extensive, naturnahe Landnutzung in einer für die Nutzer unzumutbaren Weise erschweren, dann ist die „Entnahme“ dieser Tiere legitim und vernünftig. Es darf kein Wolfstötungstabu geben.“


Eckhard Fuhr studierte Geschichte und Soziologie in Freiburg im Breisgau und war danach politischer Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Von 2000 bis 2010 leitete er das Feuilleton der Tageszeitung Die Welt, heute ist er Korrespondent für Kultur und Gesellschaft der WeltN24 GmbH. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt im Jahr 2014 das Buch „Rückkehr der Wölfe – Wie ein Heimkehrer unser Leben verändert“ (siehe unten, mit einem Klick auf das Cover erhalten Sie weitere Informationen). Dieses Buch ist ab dem 18. April auch als Taschenbuch im Handel erhältlich.

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