Orthodoxe Naturschützer oder orthodoxe Waidmänner?

„Schade, dass man nicht überall dabei sein kann und in diesem Fall auch darf“, dachte ich noch, als ich aus der „az-online“ erfuhr, dass der altehrwürdige Vorsitzende der Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung aus Halle, Prof. Dr. Michael Stubbe, einen Vortrag bei den Stendaler Jägern hielt.

Die für den Wolf verantwortlichen „Herrschaften“ seien noch nicht aufgewacht, ihn schützende Naturschützer seien „orthodox“ und auch an den „sogenannten Wolfsberatern“ – so schildert es die Zeitung (*1) – ließ er kaum ein gutes Haar.

Gegen den „reinen Ökologismus“, den er sehe, gelte es deshalb „anzutreten“. Der Wolf sei ein gefährlicher Konkurrent der Menschen, wo er „Boden gewinne, verlören die Waidmänner.“

Mit der Forderung Stubbes, dass der Wolfs ins Jagdrecht gehöre, rannte er scheinbar bei seiner Zuhörerschaft an diesem Abend – Jägern – offene Türen ein. Der Wolfsschutz koste ihm zu viel Geld. Geld, das zu Ungunsten anderer Arten, z.B. Wiesenbrüter oder Großtrappen, ausgegeben werde.

Kommentar

Der Applaus war Stubbe an diesem Abend gewiss sicher. Anders wäre es vermutlich gewesen, hätte er gegenteilig argumentiert.

Das Wort „Jagdforschung“ ist Bestandteil des Vereinsnamens, den Stubbe repräsentiert. Zitiert werden von der „az-online“ allerdings überwiegend persönliche Meinungsäußerungen, weniger wissenschaftliche Fakten.

Was mich erstaunt: Wenn alle anderen scheinbar falsch liegen, die „Herrschaften“ noch schlafen, die Naturschützer den Menschen Sand in den Augen streuen, die Wolfsberater nichts taugen und jemand für sich und seine „Peergroup“ eine völlig andere Wahrheit beansprucht, welches Wahrnehmungsdefizit wird dann augenscheinlich sichtbar? Könnten die Dinge nicht vielleicht auch genau andersherum liegen?

Outet man sich vielleicht sogar selbst gerade als „orthodoxer Waidmann“?

Wie ist es denn zu erklären, dass Generationen renommierterer Wildtierforscher aus aller Welt durchaus zu anderen Erkenntnissen als Stubbe kommen? Erkenntnisse aktueller Wildtierforschung kann ich in dem Artikel kaum erkennen, zumindest werden sie mit Ausnahme einer Bestandsprognose für das Jahr 2016 nicht zitiert.

Der Vorsitzende der Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung hätte gut daran getan, für ein vollständiges Bild von Isegrim die gesamte objektive Breite an Forschungsergebnissen an diesem Abend vorzustellen. Es gibt davon mehr als genug. Stattdessen ließ er sich augenscheinlich dazu hinreißen, zu polemisieren.

„Wenn Dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, wirst Du jedes Problem als Nagel betrachten“, schrieb Mark Twain einst.

Ich selbst bezweifle nicht, dass die Jagd im traditionellen Sinne im modernen Wolfsmanagement auch weiterhin irgendein „Teil des Spiels“ sein wird, habe aber berechtigte Zweifel daran, dass sie auch ein maßgeblicher Teil einer langfristigen Lösung sein wird.

Meine Zweifel wurden durch diesen Presseartikel nicht ausgeräumt!

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


Quelle: (*1) az-online, www.az-online.de, Artikel: „Wolf ist gefährlicher Konkurrent“ vom 04.04.2016, abgerufen am 05.04.2016, hier der Link!

 

Kommentar verfassen