Züllsdorfer Jäger beschweren sich über Wölfe

Züllsdorf ist laut Wikipedia einer von insgesamt 12 Gemeindeteilen von Herzberg (Elster). Die Kreisstadt in Brandenburg hat – alle Ortsteile zusammengerechnet – rund 9.000 Einwohner. Der dortige Jagdvorsteher, Dorsten Höhne, beklagte sich nun beim Landwirtschaftsministerium darüber, dass die Züllsdorfer Jäger es trotz ihrer erhöhten Jagdaktivität kaum noch schaffen würden, die örtlichen Wildschäden erträglich zu halten. Der vermeintliche Grund: Wölfe.

Mit der Antwort des Landwirtschaftsministeriums auf das Schreiben Höhnes ist man allerdings in den Jagdkreisen unzufrieden. Deshalb schaltete sich nun auch der Landesjagdverband Brandenburg e.V. (LJVB) ein.

Eine aktuelle Pressemeldung hierzu ist auf der Webseite des Deutschen Jagdverbandes (DJV) zu finden: Hier der Link! (*1)

Kommentar:

Mal abgesehen von dem Begriff „Jagdregime“, der wohl noch als Reminiszenz aus sozialistischen Zeiten zu verstehen ist, was in der Pressemitteilung des DJV auffällt: Schnell kommen die Jagdfunktionäre zu Wort. Der Rest ist Politik und Polemik!

Hörten wir in der Vergangenheit nicht aus dem gleichen Winkel Deutschlands gegensätzliche Klagen, der Wolf würde den Jägern das Wild sogar abjagen und die Waidmänner bekämen deshalb deutlich weniger Wild vor die Flinte? (siehe z.B. hier!) (*2)

Welchen Eindruck hinterlassen eigentlich derart lautstarke Proteste aus derselben Ecke in der Öffentlichkeit, wenn man einmal „hü“ und ein anderes Mal „hott“ schreit?

Wohl eher den Anschein, dass man seitens der Jägerschaft gerade alles dafür tut, das derzeitige Jagd- und Reviersystem in der Öffentlichkeit als das dastehen zu lassen, was es offensichtlich ist: Unzulänglich für die aktuelle Situation.

Deutschlands berühmtester Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben sprach noch vor wenigen Wochen gegenüber dem Magazin “Stern“ vom „German Problem“: Mit 50 bis 100 großen Säugetieren habe man in Deutschland eine der höchsten Wildtierdichten der Welt „hochgefüttert“. Natürlich wären allerdings nur ein bis zwei Tiere je Quadratkilometer. Pro Kilogramm Wildschweinfleisch verfüttere man hier ungefähr dreimal so viel Mais wie in der Massentierhaltung. (*3)

Wohlleben beruft sich bei seinen Angaben auf den Ökologischen Jagdverband. Nur: Sollte das stimmen – und daran dürfte eigentlich kaum jemand zweifeln – und sollte das auch auf Züllsdorf zutreffen, dann umfasst die Schuldzuweisung der dortigen Jäger nur die halbe Wahrheit!

Die andere Hälfte findet man vermutlich dann, wenn man vor der eigenen Haustür kehrt. Das scheint das Landwirtschaftsministerium in Potsdam ähnlich zu sehen!

Gerade der Wolf hält dieser Gesellschaft immer wieder den Spiegel vor. Interessant und entlarvend sind deshalb die unterschiedlichen Reaktionen auf ihn in den jeweiligen gesellschaftlichen Gruppierungen!

So auch hier!

Zu den am Ende der Pressemitteilung angesprochenen Wolfsobergrenzen gibt es in Kürze einen eigenen Beitrag hier auf Wolfsmonitor. Da muss nämlich – anders als es zu lesen ist – nichts weiter festgelegt werden….

Quellen:

(*1) Deutscher Jagdverband, www.jagdverband.de, Pressemitteilung vom 17. August 2016: „Wolf sorgt für steigende Wildschäden“, abgerufen am 19.8.2016, hier der Link!

(*2) Märkische Online Zeitung, www.moz.de, Artikel von Mathias Hausding am 19.11.2014: „Der Wolf jagd Jägern das Wild ab“, abgerufen am 19.8.2016, hier der Link!

(*3) Stern, www.stern.de, Printausgabe Nr. 32 vom  3.8.2016

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