Wolfzentrum des Bundes: Kernbotschaften und Reaktionen

Gestern wurde in Berlin das neue Wolfs- Dokumentations- und Beratungszentrum des Bundes vorgestellt. Die Koordinierungsstelle wird von vier Einrichtungen getragen, dem „Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG)“, dem „LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland“, dem „Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW)“ und dem “Senckenberg Forschungsinstitut am Standort Gelnhausen“.
Das Wolfs-Beratungszentrum, für das in den ersten drei Jahren 425.000 Euro zur Verfügung gestellt werden, verfolgt vor allem wissenschaftliche Ambitionen, vernetzt die vier Institute und berät Behörden.

Die Koordinierungsstelle selbst wird im Senckenberg-Museum in Görlitz angesiedelt. Von dort aus sollen künftig überwiegend die Landesbehörden beraten und unterstützt werden.

„Man habe sich für den Aufbau des neuen Wolf-Zentrums die Unterstützung der renommiertesten Experten des Landes gesichert“ ist in der gemeinsamen Pressemitteilung zu lesen (*1).


Umweltministerin Hendricks: …„Unser neues Wolfs-Beratungszentrum soll die Länder bei neu auftauchenden Fragen rund um den Wolf unterstützen… Dieses neue Zentrum ändert jedoch nichts an der Zuständigkeit der Länder für den Wolf. Wir stellen den Ländern Deutschlands beste Wolfs-Experten schnell und unbürokratisch zur Verfügung.“ …


Bundesamt für Naturschutz-Präsidentin Beate Jessel ergänzte: …“ Konkret soll die neue Stelle dafür sorgen, dass die Behörden kontinuierlich und aktuell mit bundesweiten Informationen zum Wolf versorgt werden. Außerdem soll sie bei schwierigen Fällen helfen und zur Koordination und Konfliktlösung beitragen. Sie liefert bei Bedarf wissenschaftliche Beratung zu bestimmten Fällen des Wolfsmanagements.“…


„Hier bauen international ausgewiesene Experten eine wissenschaftsbasierte und anwendungsorientierte Dokumentations- und Beratungsstelle auf“, erläuterte schließlich der Generaldirektor der Senckenberg-Gesellschaft, Prof. Dr. Volker Mosbrugger.

Reaktionen

Einige Verbände, die bereits in der Vergangenheit die Einrichtung einer zentralen Ansprechstelle forderten, reagierten mit eigenen Stellungnahmen (Auszüge):

So äußert sich NABU-Präsident Olaf Tschimpke:

…„Mit der Stelle muss ein flüssiger Trialog zur Wolfssituation zwischen Bundesländern, Bund und Öffentlichkeit gefördert werden. Von dem gesammelten Wissen könnten Behörden in Bund und Ländern, Nutztierhalter und die Öffentlichkeit im Umgang mit dem Wildtier profitieren.“ … (*2)

Der Deutsche Jagdverband (DJV) fordert:

…“Das Zentrum müsse sich künftig auch stärker den konfliktträchtigen Themen widmen, wie etwa der Frage, wie Vergrämung und Entnahme verhaltensauffälliger Tiere in der Praxis umgesetzt werden soll.“… (*3)

Der Deutsche Bauernverband (DBV) schreibt:

…“Hiermit muss es gelingen, eine Angleichung der bisher sehr unterschiedlichen Handhabung in Sachen Prävention und Kompensation in den Ländern zu erreichen. Davon hängt auch entscheidend die Zukunft der Weidetierhaltung in Deutschland ab.“ … (*4)

Die Zeitung „Die Welt“ stellt unter der Überschrift „Angst vor Wölfen wird zur Staatsangelegenheit“ fest:

…“Der größte Feind des Wolfes ist der Mensch. Das zeigte die Untersuchung von 124 Wölfen, die seit dem Jahr 2000 tot aufgefunden wurden: 86 Tiere starben im Straßenverkehr, 18 wurden illegal erschossen, und nur zehn starben eines natürlichen Todes, etwa an der Folge einer Tierseuche.“… (*5)

Der Freiburger Wildbiologe Micha Herdtfelder, zuständig für die wissenschaftliche Beobachtung der Wölfe in Baden-Württemberg, äußerte sich gestern in einem Interview auf www.schwaebische.de ebenfalls zum Beratungszentrum und zu den damit verbundenen Fragestellungen. Auf die Frage wie dennoch verhindert werden könne, dass Jäger Wölfe schießen, antwortete er:

„Wichtig ist generell, die Jäger beim Management einzubeziehen, Wissen zu vermitteln, falsche Vorstellungen zu korrigieren und somit auch für Akzeptanz zu werben. Luchs und Wolf sollten nicht zu Stellvertretern in bestehenden Konflikten zwischen Jagd und Naturschutz werden.“… (*6)

Vielleicht vernimmt man aus dem neuen Beratungszentrum des Bundes demnächst ja auch einen objektiven Lösungsvorschlag für die sich zurzeit besonders in Niedersachsen verhärtenden politischen Positionen über das dortige Wolfsmanagement. Doch dazu später mehr….


Herzlichst
Ihr
Jürgen Vogler

Quellen:

(*1) bmub.bund.de: Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Bundesamt für Naturschutz „Neues Wolfs-Beratungszentrum des Bundes soll Landesbehörden unterstützen“ vom 10.02.2016, abgerufen am 11.02.2016, hier der Link!

(*2) NABU-Pressedienst auf www.nabu.de: „NABU begrüßt Aufbau eines bundesweiten Wolfs-Beratungszentrums“, vom 10.02.2016, abgerufen am 11.02.2016, hier der Link!

(*3) DJV – jagdverband.de: „Wolf-Beratungszentrum eingerichtet“, PM vom 10.02.2016, abgerufen am 11.02.2016, hier der Link!

(*4) DBV – Deutscher Bauernverband: „Wolfsberatungszentrum ist erster Schritt“, PM vom 10.02.2016, abgerufen am 11.02.2016, hier der Link!

(*5) www.welt.de: Rubrik: Politik – Gefährlicher Räuber: „Angst vor Wölfen wird zur Staatsangelegenheit“, 10.02.2016, abgerufen am 11.02.2016, hier der Link!

(*6) schwaebische.de: Rubrik – Aus aller Welt: „Wölfe sind nicht am Menschen interessiert“ von Simon Haas, 10.02.2016, abgerufen am 11.02.2016, hier der Link!

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