Kommunalpolitik berät über Goldenstedter Wölfin

„Wir müssen uns fragen, was wir tun können“, wird der FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Marco Genthe aus dem Landkreis Diepholz in einem Artikel der MK-Kreiszeitung zitiert,… „da diese Region für den Wolf offenbar nicht optimal ist“. (*1)

Er halte eine Entnahme der Goldenstedter Wölfin für denkbar, fügte Erster Kreisrat Wolfram van Lessen hinzu, um danach festzustellen, dass die Entscheidung, ob die Wölfin wie „Kurti“ getötet wird wiederum beim Land liege.

Nicht die politischen „Lokalgrößen“ sind es allerdings, die auf mögliche Verbesserungen beim Wolfsschutz hinweisen, einzig Wolfsberater Dr. Marcel Holy erörtert, dass der Herdenschutz verbessert werden müsse.

Es sind nicht wenige Zeitgenossen, die ständig darauf hinweisen, dass die Entnahme bestimmter „Problemwölfe“ die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Rückkehrer Wolf insgesamt erhalten würde. Die Goldenstedter Wölfin gehört für diese Mahner auch zu diesen Problemwölfen.

Dennoch muss sie nicht zwangweise als solcher gesehen werden. Sie wurde in erster Linie durch die mangelnden Herdenschutzmaßnahmen der Nutztierhalter in der Region Diepholz quasi dazu erzogen, sich bei der leichten und unzureichend geschützten Beute zu bedienen. Dass sie dabei auch höhere Zäune übersprang, ist ein Ergebnis davon.

Und wer glaubt, sich mit einer „Entnahme“ der Wölfin dieses Problems entledigen zu können, irrt sich gewaltig. Die nächsten Wölfe werden kommen (wenn sie nicht sogar bereits schon da sind) und auch sie werden – wenn sich nichts ändert – eingeladen sein, sich bei den unzureichend geschützten Nutztieren zu bedienen.

Es gibt eigentlich nur einen Königsweg, durch den auf Dauer die Wahrscheinlichkeit zumindest sinkt, dass es zu weiteren schweren Übergriffen auf Nutztiere kommt: Wirksame Herdenschutzmaßnahmen.

Das Argument der Lokalpolitiker, dass der Wolf im Kreis Diepholz offensichtlich nicht in einer für ihn geeigneten Umgebung sei, kann als hilfloser Erklärungsversuch angesehen werden und ist natürlich Quatsch.

Der Hinweis des Ersten Kreisrats, dass die Entscheidung für Wolfsabschüsse beim Land liegt, entlastet die lokalen Akteure jedoch keineswegs. Denn eigentlich sollten sie es sein, die auf die Umsetzung notwendiger Schutzmaßnahmen in ihrem Verantwortungsbereich drängen. Aber davon ist im Artikel kaum ein Wort zu lesen.

Und deshalb ist es gut, dass Entscheidungen wie Wolfsentnahmen nicht leichtfertig auf lokalpolitischer Ebene getroffen werden können. Denn dort scheint (noch) allerhand Sachverstand zu fehlen….

Und das wiederum treibt mir einige Sorgenfalten auf die Stirn.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler

(Quelle: (*1) MK-Kreiszeitung, www.kreiszeitung.de, Artikel vom 26.5.2016: „Goldenstedter Wölfin verärgert durch Übergriffe Tierhalter“, abgerufen am 29.5.2016, hier der Link!)

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