Zur Bewilligung eines Wolfsabschusses in Sachsen

Nach MT6 alias Kurti soll in Deutschland zum zweiten mal ein Wolf legal abgeschossen werden. Vergangenes Frühjahr habe ich hier auf Wolfsmonitor mein Verständnis für den Abschuss von MT6 geäussert (hier!). Das ist zwar bei vielen Wolfsfreunden nicht auf Gegenliebe gestossen, aber ich stehe dazu, dass ich auch den Abschuss von “Pumpak“ für notwendig halte.


Wer sich mit der Geschichte dieses Wolfes befasst hat, kann meines Erachtens auch kaum zu einem anderen Schluss kommen. Das Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf braucht Spielregeln und diese besagen unter anderem, dass futterkonditionierte Wölfe, die sich auf menschliche Hinterlassenschaften spezialisiert haben, keinen Platz haben. Es macht schlicht keinen Sinn, ein junges männliches Einzeltier mit einer solchen Verhaltensweise in der Population zu belassen.

Wolfsmanagement hat selten mit Wölfen, aber immer mit Menschen zu tun. Die Spielregeln gelten deshalb auch für den Menschen. Eine wichtige Spielregel – womöglich gar die wichtigste – lautet: Nicht füttern! Wer Spielregeln übertritt, der wird bestraft, so ist das Leben – sollte man meinen. Aber während die Strafe für den Wolf in diesem Fall klar ist, scheint sie es mir auf der Seite des Menschen nicht zu sein.

Denn was im Fall von MT6 noch eine starke Vermutung war, ist im Fall “Pumpak“ eine Gewissheit: Das Tier wurde aktiv angefüttert. Ich konnte mich bei einem Besuch in der Lausitz im Dezember vom Kontaktbüro direkt über die Hintergründe des Falles informieren lassen. Es ist nicht nur klar, dass das Tier als Jungwolf aktiv angefüttert wurde, sondern auch von wem, wo und weshalb.

Die Anfütterung geschah durch eine Person, welche um die Problematik hätte Wissen müssen und sie geschah aus rein egoistischen Gründen, nämlich für ein paar schöne Wolfsbilder, von denen es aber wahrlich bereits genug gäbe. In diesem Fall ist eigentlich klar, dass der Regelverstoss nicht nur für den Wolf Konsequenzen haben müsste, sondern auch für den Menschen.

Bisher habe ich im Allgemeinen einen guten Eindruck des sächsischen Wolfsmanagements. Ein gutes Wolfsmanagement umfasst, wenn es sein muss, auch unpopuläre Entscheidungen. Es ergreift die notwendigen Massnahmen aber auf beiden Seiten des Konflikts, beim Wolf und beim Menschen. Hoffentlich auch in diesem Fall. Dass der Mensch zufälligerweise auf der anderen Seite der Landesgrenze sitzt, darf dabei kein Hindernis sein.

David Gerke

Wolfsmonitor-Kolumnist David Gerke, Schafhirte und Jäger aus Zuchwil in der Schweiz, ist Präsident der „Gruppe Wolf Schweiz (GWS)“ (Link!), der „politischen Stimme der Großraubtiere“ in der Schweiz. Der Verein, der 1997 nach einem Besuch von Wolfsinteressierten beim weltweit bekannten Wolfsforscher Erich Klinghammer in den USA gegründet wurde, hat das Ziel, Hintergrundinformationen über das Verhalten, die Vorkommen und die Ökologie des Wolfes in der Schweiz zugänglich zu machen. Die GWS arbeitet dabei eng mit zahlreichen Fachleuten und Medien zusammen, um wissenschaftlich fundiertes Know-how zu veröffentlichen.

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