Wolfs-Infoveranstaltung: „Wäre, wäre – Fahrradkette“

Infoveranstaltungen der CDU in Celle scheinen manchmal eine besondere Qualität zu haben. Wenn es dort um den Wolf geht, fühlt sich nämlich offenbar so manch einer aufgefordert, mal „richtig einen vom Stapel zu lassen“.

Und wenn danach der Wolfsmonitor-Redaktion erbost Zeitungsartikel zugespielt werden, weil sie wegen einer Bezahlschranke nicht frei lesbar sind, heißt das schon etwas, weil dies in der Tat nicht jeden Tag vorkommt.

„Wölfe nicht einsperren – sondern erschießen“ – ist ein Artikel der Cellesche Zeitung über diesen CDU- Infoabend betitelt, bei dem Kreisjägermeister Hans Knoop u.a. äußerte, in der Öffentlichkeit müsse das Thema Wolf noch stärker thematisiert werden, damit die Bürger die (von ihm und anderen Anwesenden offenbar erwünschte) „Regulierung“ der Wölfe akzeptierten.

Öl ins Feuer goss vorher ausgerechnet ein ehrenamtlicher Wolfsberater. Volkhard Pohlmann behauptete, wenn nicht angefangen werde, einige Wölfe zu „entnehmen“ (Anm.d.R.: Gemeint ist „abzuschießen“), werde die Freilandhaltung zum Erliegen kommen und offene Flächen wie die Heide zuwachsen.

Und auch der bald aus dem Landtag scheidende Abgeordnete Ernst-Ingolf Angermann (für den Verfasser dieser Zeilen eine Art konservative niedersächsische Leidfigur des Wolfshalbwissens) übte sich (mal wieder) nicht gerade in vornehmer Zurückhaltung beim Thema Wolf: „Wir können den Wolf nur erschießen, um seine Population zu regulieren“. Wölfe einzusperren, sei tierschutzrechtlich nicht möglich, ergänzte er. Mehr als zwölf Wolfsrudel sollten es seiner Meinung nach außerdem in Niedersachsen nicht sein, so Angermann.


Fazit: Da wurde aus der „Infoveranstaltung“ offenbar eine „Desinformationsveranstaltung“ ohne im Kern belastbare Infos, jedoch mit viel Tamtam.

Die Empörung des Wolfsmonitor-Lesers, der mir diesen Artikel zusandte, kann ich nachvollziehen. Wolfsberater Volkhard Pohlmann hat beispielsweise auch meiner bescheidenen Meinung nach mit seiner Prognose über die Weidetierhaltung seine Kompetenzen weit überschritten. Außerdem dürfte er mit seiner These zur Notwendigkeit der „Entnahme“ von Wolfen zum Herdenschutz irren, weil trotzdem kein Nutztierhalter auf Schutzmaßnahmen verzichten könnte.

Vom scheidenden Landtagsabgeordneten Angermann sind aufmerksame Verfolger der Ereignisse um den Wolf ja schon so einiges gewohnt. Er dürfte den meisten Beobachtern als eifriger Fragesteller im Landtag in Erinnerung bleiben, der – das zeigen auch seine Statements an diesem Abend – mit den fachlich erarbeiteten Antworten der Landesregierung auf seine Fragen offensichtlich nicht viel anzufangen wusste.

Kreisjägermeister Hans Knoop stimme ich abschließend zu. Zumindest in dem Punkt, in dem er vorschlägt, dass das Thema Wolf noch stärker in der breiten (!) Öffentlichkeit thematisiert werden sollte.

Und zwar einerseits, um die von bestimmten „Kreisen“ immer wieder ins Feld geführte, fachlich jedoch äußerst umstrittene und wissenschaftlich sogar widerlegte „Regulierungsnotwendigkeit“ bei Wölfen zu entkräften.

Und andererseits, um gerade denen, die Wolfsabschüsse fordern, das kleine Einmaleins des Herdenschutzes sowie das ABC der internationalen Artenschutzabkommen beizubringen, dem die Wölfe unterliegen und auf absehbarer Zeit auch noch unterliegen werden.

Und deshalb kommentiert Wolfsmonitor die verfrühten Wolfsregulierungsphantasien“ der „Experten“ an diesem „Infoabend“ einmal mit den Worten von Lothar Matthäus: Wäre, wäre – Fahrradkette“

Just my two cents…

Jürgen Vogler


Quelle: Cellesche Zeitung.de, „Wölfe nicht einsperren – sondern erschießen“, 26.8.2017, hier ein Link!

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