„Menschliches Fehlverhalten zumeist Auslöser von Großraubtier-Attacken“

Eine aktuelle Studie, die Stephen Herrero – ein emeritierter Professor der Universität Calgary und führende nordamerikanische „Bären-Autorität“ – sowie sein Kollege Vincenzo Penteriani aus Sevilla nun vorstellten und die am 3. Februar 2016 auf der Webseite „nature.com“ unter der Überschrift „Human behaviour can trigger large carnivore attacks in developed countries“ veröffentlicht wurde, fasst die Ursachen und Umstände zusammen, unter denen seit 1955 rund 700 Übergriffe großer Beutegreifer – darunter neben Bären auch Pumas, Kojoten und Wölfe – in den entwickelten Ländern Nordamerikas und Westeuropas auf Menschen stattfanden.

Der englischsprachige Beitrag, auf den im Internet frei zugegriffen werden kann (*1), kommt dabei zu dem Schluss, dass einige Faktoren maßgeblich zu dem Anstieg der im Vergleich immer noch wenigen Unfälle beitragen, wie z.B. das unangemessene Verhalten von Outdoor-Enthusiasten, deren Freizeitaktivitäten in den letzten Jahrzehnten in von Großraubtieren besiedelten Gebieten erheblich zugenommen habe.

Zur Vorbeugung solcher Attacken reiche oft allerdings bereits der gesunde Menschenverstand aus, so Herrero, denn das am häufigsten dokumentierte menschliche Fehlverhalten (47,3%), das schließlich zu Unfällen führte war, Kinder unbeaufsichtigt zu lassen. Diese wurden laut der dokumentierten Fälle zumeist bei Besuchen von Nationalparks oder Wildnisgebieten von Pumas (50,8% der Unfälle), Kojoten (27,9%) und Schwarzbären (13,2%) attackiert. Aber auch Jäger, Jogger und Hundehalter sollten  – gerade in der Dämmerung und in der Nacht – gewisse Regeln beachten, wenn sie sich in von Großraubtieren besiedelten Gebieten bewegten.

In der Gesamtbetrachtung müsse man jedoch nicht besorgt sein, so die Autoren. In Anbetracht der mehr als 100 Millionen Nationalpark- und Schutzgebietsbesucher allein in den USA seien Bienen, Mücken, Schlangen oder sogar Nutztiere statistisch gesehen wesentlich gefährlicher als die großen Beutegreifer. Jedoch sollte nicht allein die ländliche Bevölkerung sondern idealerweise die gesamte Öffentlichkeit von Bildungs- und Aufklärungsanstrengungen profitieren, wie Begegnungen mit Großraubern vermieden werden können.

In den Medien und der wissenschaftlichen Literatur würden die Angriffe von Großraubtieren auf Menschen in Nordamerika und Westeuropa außerdem oft stark überzeichnet – so die Studie. Denn obwohl tödliche Raubtierattacken im Vergleich zu menschlichen Todesfällen durch andere Wildtiere sehr selten vorkämen, würde gerade die mediale Übertreibung zu erhöhten Ängsten und einer negativen Einstellung in der Bevölkerung führen und somit die friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Raubtier erschweren.

Tröstlich: Wölfe spielen in der wissenschaftlichen Betrachtung nur eine untergeordnete Rolle: In Europa konnte kein gesicherter Fall eines entsprechenden Wolfsangriffs auf einen Menschen dokumentiert werden, in Nordamerika fand durchschnittlich weniger als eine Wolfsattacke jährlich statt.

Für die Studie verantwortlich zeichnen sich neben Herrero und Penteriani : María del Mar Delgado, Francesco Pinchera, Javier Naves, Alberto Fernández-Gil, Ilpo Kojola, Sauli Härkönen, Harri Norberg, Jens Frank, José María Fedriani, Veronica Sahlén, Ole-Gunnar Støen, Jon E. Swenson, Petter Wabakken, Mario Pellegrini und José Vicente López-Bao.


(*1) Quelle: Scientific Reports 6, Article number: 20552, Online – Veröffentlichung am 3. Februar 2016 auf www.nature.com, (jegliche Haftung für verlinkte Seiten wird von diesem Webseitenbetreiber ausgeschlossen), hier der Link!

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