Mindestens 3 Wölfe in Goldenstedt!

Nun scheint gewiss, was bereits seit längerem vermutet wurde. In einem Ortsteil von Goldenstedt im Landkreis Vechta wurden drei Wölfe gesichtet. Darauf verwies der zuständige Wolfsberater Torsten Schumacher in einem Gespräch gegenüber dem NDR (*1). Die Wölfe seien einer Frau beim Gassigehen mit ihrem Hund begegnet. Seine Überprüfung bestätigte die Aussage der Frau. Für Schumacher selbst sei diese Situation „nicht zu verstehen“, bisher lägen keine DNA-Nachweise von mehreren Wölfen vor. Er sei bisher deshalb davon ausgegangen, dass eine einzelne Fähe – die sogenannte „Goldenstedter Problemwölfin“ – für die zahlreichen Attacken auf Nutztiere in der Region verantwortlich sei.

Kommentar:
Die Überraschung des Wolfsberaters ist nachvollziehbar. Zu sehr war er in der letzten Zeit damit beschäftigt, den ungezählten Hinweisen aus der Bevölkerung nachzugehen und die zahlreichen Nutztierrisse formgerecht zu protokollieren. Und das alles ehrenamtlich. Von ihm auch noch zu fordern, das Monitoring auszuweiten, wäre wohl zu viel verlangt. Seine Forderung, das „Mosaik nun langsam zusammen zu setzen“, dürfte für die Weidetierhalter in der Region allerdings mangels erkennbarer Dynamik wenig zufriedenstellend klingen. Unbenommen dessen dürften viele von ihnen nun einsehen, warum ein angemessener Herdenschutz unabdingbar ist.

Diejenigen, die bisher unablässig die „Entnahme“ der Problemwölfin forderten, dürften langsam darüber ins Grübeln kommen, was der Schießbefehl auf das vermeintlich einzelne Tier bewirkt hätte. Herzlich wenig nämlich. Insofern kann die Entscheidung des niedersächsischen Umweltministers Stefan Wenzel, den Wolf erst einmal zu besendern, im Nachhinein als richtig bewertet werden. Spätestens nach dieser Besenderung hätte es überzeugende Hinweise auf die Anwesenheit mehrerer Wölfe im Landkreis Vechta gegeben. Nämlich dann, wenn ein Wolf ein Nutztier gerissen und sich laut Telemetriedaten gar nicht am Tatort aufgehalten hätte…

Der Fall zeigt in nahezu beeindruckender Weise, dass das Wolfsmonitoring, wie es bisher betrieben wird, lückenhaft und in vermeintlichen Problemfällen nicht ausreichend ist. Erschwerend könnte seit dem 26. November noch hinzukommen, dass einige Übergriffe auf Nutztiere überhaupt nicht mehr gemeldet werden. Denn Schadensersatzleistungen werden seit diesem Datum in einigen Fördergebieten nur noch als Billigkeitsleistung gewährt, soweit die attackierten Tiere ausreichend geschützt waren. Im Ergebnis wird das amtliche Monitoring dadurch zusätzlich erschwert. Dr. Britta Habbe, die in Niedersachsen im Auftrag der Landesjägerschaft das fachliche Wolfsmonitoring betreut, arbeitet seriös all die Informationen auf, die ihr zugetragen werden. Aber genau diese Informationen sind scheinbar immer noch zu lückenhaft und laufen so Gefahr, noch unvollständiger zu werden.

Wolfsmonitor fordert nun schon seit geraumer Zeit die Ausbildung einiger Spezialisten für das Schwerpunktmonitoring und nennt diese Experten „Wolfscouts“ (*2). Im BfN-Skript Nr. 251 „Monitoring von Großraubtieren in Deutschland“ ist auf der Seite 64 zu lesen, dass – allein um die wesentlichen Monitoringdaten zu erheben – ungefähr 100 Arbeitstage je Wolfsrudel und Jahr aufzuwenden sind. Man greift bei der Zahl auf Erfahrungen aus Frankreich zurück. Spätestens dann also, wenn es Probleme mit vermeintlich „verhaltensauffälligen“ oder „rissauffälligen“ Wölfen gibt, muss das Monitoring über den ehrenamtlichen Aufwand hinaus intensiviert werden (können)! Wäre das frühzeitig in Goldenstedt geschehen, wäre eine Überraschung wie diese jetzt unwahrscheinlich.


Heute, am 7. Dezember 2015 sitzen die Vertreter des niedersächsischen Arbeitskreises Wolf (AK Wolf) erneut zusammen. Erörtert wird dabei die Fortschreibung des Wolfskonzeptes aus dem Jahr 2010.
Es wäre gut, wenn der neue Konzeptentwurf sowohl den Punkt „Schwerpunktmonitoring bei auffälligen Wölfen“ als auch den bereits in der NINA-Studie beschriebenen und von Wolfsmonitor an anderer Stelle geforderten „Reaktions- und Notfallplan“ enthielte. Ansonsten läuft man schnell Gefahr, den Realitäten in Zukunft erneut hinterherzulaufen.


Denn es sollte nicht vergessen werden: bereits in Kürze gehen erneut zahlreiche Wölfe auf die Wanderschaft, um sich neue Reviere zu suchen und eigene Rudel zu gründen. Alle dazugehörigen Irritationen inbegriffen….


Herzlichst
Ihr
Jürgen Vogler


Quellen:

(*1) www.ndr.de: Goldenstedter „Problemwölfin“ hat Gesellschaft, abgerufen am 7.12.2015, hier der Link!

(*2) www.wolfsmonitor.de: These 4 – Wolfscouts, hier der Link!

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