Aufgabe der Kuhhaltung wegen der Wölfe?

Schaut jemand auf das Internetportal der niedersächsischen Gemeinde Wietzendorf im Heidekreis, dann bemerkt er schnell, dass dieser staatlich anerkannte Erholungsort mit etwas über 4.000 Einwohnern in der Lüneburger Heide sein Denken und Handeln vornehmlich auf den Tourismus ausgerichtet hat.
In dem Wochenblatt LAND & Forst des Deutschen Landwirtschaftsverlages, das immerhin eine Auflage von über 58.000 Exemplaren wöchentlich aufweist, war allerdings letzten Freitag, am 12.02., ein Bericht von Klaus von der Brelie über Wietzendorf zu lesen, der ziemlich beunruhigend klingt (*1).

Unter der Überschrift „Wölfe verhindern Mutterkuhhaltung“ beschreibt ein nicht näher genannter Bauer, welches Unheil Wölfe dort anzurichten scheinen. „Durch die Ausbreitung der Wölfe verlieren sie (Anm.: die Bauern) immer mehr Rinder und geben die Weidetierhaltung auf“ ist dort zu lesen.

Das alles klingt ziemlich düster. „Der Wolf habe das Unheil angerichtet und viel durcheinander gewirbelt“, schreibt der Autor und zitiert den Bauern: „…dass hier jetzt so viele verstört sind, nicht nur die Tiere; auch die Menschen.“ Aus seinem Hof seien bisher drei Mutterkühe von Wölfen angefallen und durch Kehlbisse getötet worden, davon sei der Eigentümer fest überzeugt, obwohl die Behörden dies in einem Fall nicht bestätigten.

Auf der Webseite „wildtiermanagement.com“ kann man Einblick in die niedersächsische Rissstatistik nehmen (*2). Eine Google-unterstützte Karte weist für Wietzendorf über die letzten Jahre tatsächlich 5 Nutztierrisse aus, ein Riss aus dem Jahr 2014, vier aus 2015, bei denen insgesamt 7 Tiere getötet und weitere 3 Tiere verletzt wurden. Bei einem dieser 5 Attacken waren Wölfe nicht nachweisbar, zwei weiteren Attacken stammten laut Liste nachweislich nicht von Wölfen.

Das alles klingt zwar schlimm, nicht aber so dramatisch, wie es der Artikel von Klaus von der Brelie beschreibt. Der wirkt nämlich so, als würde eine ganze Region quasi von Wölfen terrorisiert.

Schade deshalb, dass der Autor es versäumt hat, in seinem Bericht mindestens einen weiteren örtlichen Bauern ober aber einen zuständigen Wolfsberater bzw. eine andere fachkundige Stimme zu Wort kommen zu lassen. Das hätte der Objektivität gut getan.

So wie am Freitag veröffentlicht wirkt das Ganze einfach nur tendenziös und so, als wolle man die bereits latent in der Landwirtschaft vorhandene Anti-Wolf-Stimmung noch weiter befeuern und die Leser weiter verunsichern. Es werden nämlich keinerlei konstruktive Lösungsansätze wie beispielsweise geeignete Herdenschutzmaßnahmen aufgeführt, mit Ausnahme eines ohnmächtigen Hilferufs in Richtung Politik.

Die Verunsicherung der Leser kann dem Blatt LAND & Forst auf diese Weise tatsächlich gelingen, wegen der Auflage gleich zigtausendfach.

Für mich Grund genug, das zu versuchen, was Klaus von der Brelie aus meiner Sicht versäumt hat. Einen fachkundigen Wolfsberater aus dem Heidekreis zur Lage dort zu befragen. Ich bin auf die Antworten, die ich in Kürze hier auf Wolfsmonitor präsentieren werde, selbst gespannt. Bis dahin…


Ihr
Jürgen Vogler

Anmerkung: Lesen Sie dazu bitte auch folgendes Interview mit dem zuständigen Wolfsberater Uwe Martens, (hier der Link!)


Quellen:

(*1) LAND & Forst, Klaus von der Brelie: „Wölfe in Niedersachsen  – Wölfe verhindern Mutterkuhhaltung“, online erschienen am 12.02.2016 auf www.agragheute.com, abgerufen am 15.02.2016, hier der Link!

(*2) Wildtiermanagement Niedersachsen, www.wildtiermanagement.com, Nutztierrisse, abgerufen am 15.02.2016, hier der Link!

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