3 Fragen an Heino Krannich

Wolfsmonitor ist in der letzten Woche ein Jahr alt geworden. Einer der anfänglichen Blogbeiträge auf dieser Webseite war ein Interview mit Heino Krannich. Und das aus gutem Grund.

Er war einer der Distanznarkoseexperten, die damals versuchten, einen Wanderwolf auf seinen Weg von Munster in die Niederlande und wieder zurück „dingfest zu machen“.

Wolfsfreunde tauften diesen Wolfsrüden damals „Kurt“, seinen Wurfbruder aus dem Munsteraner Rudel nannten sie später „Kurti“. Und der brachte es letzte Woche zur traurigen Berühmtheit, weil er der erste Wolf war, der nach der Wende in Deutschland legal „letal entnommen“ (erschossen) wurde. Natürlich ließ ich mir die Gelegenheit nicht entgehen, Heino Krannich auch dazu zu befragen.

Krannich gilt als ausgewiesener und gefragter Experte für die schwierigen Fälle, wenn es darum geht, Tiere durch die sanfte Methode der Distanznarkose zu betäuben und sie tierschutzgerecht zu transportieren.

In weit über eintausend Fällen konnte er dabei bisher seine Qualitäten unter Beweis stellen. So mancher Besitzer eines entlaufenen Hundes konnte Krannich dabei von seinen Sorgen befreien.

Ein Blick auf seine Webseite www.heino-krannich.de ist empfehlenswert, bei mir entstand dabei sofort der Eindruck, als würde hier jemand schreiben, der weiß wovon er spricht.

Deshalb bat ich Heino Krannich nun zum „Jubiläumsinterview“:

Wolfsmonitor: Herr Krannich, Sie sind ständig im Einsatz, wenn es darum geht, weggelaufene Hunde wieder einzufangen. Manchmal gelingt das nur unter Einsatz der Distanznarkose. Wie hoch wären Ihrer Einschätzung nach tatsächlich die Erfolgschancen gewesen, den Wolf „Kurti“ erfolgreich „immobilisieren“, sprich „narkotisieren“ zu können? Das war ja ursprünglich in Niedersachsen geplant, bevor man sich doch dazu entschloss, den Wolf ohne Narkose zu erschießen. Muss man dafür tatsächlich bis auf 30 m – wie zu lesen war – an den Wolf herankommen?

Heino Krannich: Die Erfolgschance der Immobilisierung wären schon recht groß gewesen, weil der Wolf ja kaum Scheu vor dem Menschen zeigte. Also ein Hund aus dem Auslandstierschutz ist weitaus schwieriger zu fangen, weil er vom Menschen schlau gemacht wurde und das fehlte diesem Wolf weitestgehend, auch wenn er damals den Vergrämungsversuchen des schwedischen Experten Karlsson stets erfolgreich ausgewichen ist. Die Schussentfernung hätte eventuell sogar kürzer als 30 Meter gewählt werden können, weil das Tier sich durch einen Köder vermutlich hätte anlocken lassen. Meiner Erfahrung nach hätte er auch das Anpirschen geduldet.

Wolfsmonitor: Kürzlich gaben Sie ein Zeitungsinterview, in dem Sie sagten, dass „Kurti“ für Sie ein gutes Beispiel dafür sei, wie Menschen ein Tier verderben können, was diesem dann später zum Verhängnis werden kann. Was meinten Sie damit genau?

Heino Krannich: Mir persönlich geht es in erster Linie um die Arterhaltung, nicht um das einzelne Tier. Durch die Erfahrung mit dem „Kindergartenwolf“ habe ich zum Beispiel erlebt, dass Anwohner diesen oder einen anderen gefüttert haben und das „normal“ oder sogar „süß“ fanden. Bei dieser Aktion wurden erwachsene Menschen selbst zu Kindern, denen ich ihr Fehlverhalten auch nicht mit den besten Argumenten erklären konnte.

Auch die moderne Tierschutzmode, immer näher an einem so mystischen Tier sein zu wollen, scheint bei einigen zwanghaft zu sein. Oft frönen Wolfsliebhaber dem Kelten- und dem Indianerkult, vermutlich würden sie nicht davor zurück schrecken, einmal mit dem Wolf zu tanzen.

Wolfsmonitor: Sie sind ein aufmerksamer Beobachter der Wolfsszene. Welches Kapitel der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland schreiben wir Ihrer Ansicht nach gerade?

Heino Krannich: Wir befinden uns in einem Kapitel zweier Extreme. Das sind zum einen die Wolfshasser, zum anderen die Wolfskuschler. Beide tun der Art nicht gut, weil sich niemand aus dieser übersättigten Gesellschaft in die mit der Neuetablierung dieser großen Beutegreifer verbundenen Herausforderungen geistig hinein versetzen kann.

Herr Krannich, vielen Dank für das Interview!

(Zur Webseite von Heino Krannich gelangen Sie über diesen Link!)

Info: Das Interview mit Heino Krannich vor rund einem Jahr: hier der Link!

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