Online-Petition und Hintergründe: „Wolf Pumpak muss weiter leben“

Seit gestern (21. Januar) gibt es eine Petition zur Rettung des sächsischen Wolfes mit dem Spitznamen „Pumpak“ im Internet, die bereits von mehr als 2600 Menschen unterzeichnet wurde. Der Anlass: Ein leicht humpelnder Jährlingsrüde, der offenbar immer wieder in Siedlungsbereichen des Landkreises Görlitz gesichtet wurde, sich aber stets trollte, wenn Menschen sich ihm näherten, soll nach einvernehmlicher Entscheidung des Landratsamtes Görlitz mit dem Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft auf der Grundlage einer entsprechenden artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung „entnommen“ (erschossen) werden.

Den Direktzugang zur entsprechenden Online-Petition finden Sie hier! (*1)

Noch am 16. Januar beschrieb das „Kontaktbüro Wölfe in Sachsen“ (ehemals „Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz“) die Situation im Landkreis Görlitz in einem Infobrief wie folgt: (*2)

„Seit Mitte November 2016 sind dem Wolfsmanagement wiederholt Sichtungen eines Wolfes bei Teicha – Neuhammer – Alte Ziegelei (Gemeinde Rietschen, LK Görlitz) gemeldet worden, der im Siedlungsbereich Futter sucht. Zunächst wurde das Tier im Laufe von zwei Wochen mehrmals zu unterschiedlichen Tageszeiten, jedoch häufig vormittags, im Siedlungsbereich beobachtet. Bei einigen Sichtungen befand sich der Wolf auf bzw. in der unmittelbaren Nähe von bewohnten Grundstücken. Die Beschreibungen der Sichtungen weisen darauf hin, dass der Wolf auf der Suche nach Futter war.

Während in der ersten Dezemberhälfte nur noch sporadische Hinweise auf den Wolf eingingen, tritt der Wolf seit der zweiten Dezemberhälfte wieder vermehrt in Erscheinung, wobei er nun überwiegend abends/nachts im Siedlungsbereich unterwegs ist. Die meisten Hinweise liegen im Moment durch Aufnahmen von Fotofallen vor. In einigen Fällen wurde das Tier auch direkt gesichtet, diese fanden dann meist vom Haus aus oder aus dem Fahrzeug statt. Bei direkter Begegnung mit Menschen, die als solche zu erkennen sind (Menschen zu Fuß), zog sich das Tier zurück.

Seit Eingang der ersten Sichtungsmeldungen wird die Situation vor Ort durch ein intensives Monitoring beobachtet. Das Landratsamt Görlitz beauftragte dafür das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung, welches in Sachsen die Kernkompetenz für das Wolfsmonitoring ist. Außerdem wurde durch das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ die Informationsarbeit vor Ort verstärkt, um die Bevölkerung über das Tier auf zu klären.

Die Anwohner wurden dazu aufgerufen, keinerlei Essensreste auf Komposthaufen oder inSiedlungsnähe zu entsorgen, um dem Tier nicht weiter Anreiz zu bieten, im Siedlungsbereich auf Nahrungssuche zu gehen. Wolfshinweise werden vom Kontaktbüro, dem Landkreis und direkt von LUPUS entgegen genommen.

Allen Hinweisen wird zeitnah nachgegangen. Vor Ort wurde außerdem mit einem Hund nach Auslösereizen (Nahrung) gesucht, Genetikproben sichergestellt und verstärkt Fotofallen aufgestellt. Auf einigen Fotofallenaufnahmen ist zu sehen, wie der Wolf Fressbares von Komposthaufen holt. Einige Anwohner haben zudem eigene Fotofallen platziert und leiten Wolfsaufnahmen an das Wolfsmanagement weiter.

Mittels genetischer Untersuchung konnte die Identität des Wolfes ermittelt werden. Es handelt sich um einen Jährlingsrüden aus dem polnischen Ruszow Rudel. Das Ruszow Territorium erstreckt sich überwiegend auf polnischer Seite direkt angrenzend an Sachsen etwa auf Höhe von Rothenburg O.L. (LK Görlitz). Nach Angaben polnischer Wissenschaftler ist dieses Tier als Welpe von Menschen gefüttert worden.

Durch den genetischen Abgleich konnte nun nachträglich geklärt werden, dass es sich um denselben Wolf handelt, der Anfang Juni 2016 dabei beobachtet wurde, wie er vom Vorhof eines Grundstücks im Rothenburger O.L. Ortsteil Lodenau die Schwarte (Fell) eines dort am selben Tag zerlegten Wildschweins in das angrenzende Waldstück verschleppte (Kontaktbüro berichtete).

Nach den vorliegenden Erkenntnissen ist davon auszugehen, dass der Wolf in der Vergangenheit bereits mehrmals Nahrung in der Nähe von Menschen erhalten bzw. gefunden hat und auf Grund dieser, für ihn positiven Erfahrungen, gezielt Siedlungen auf der Suche nach Fressbarem aufsucht. Das Verhalten des Tieres ist für einen wilden Wolf ungewöhnlich und nur durch die Vorgeschichte dieses Individuums zu erklären. Bislang hat das Tier keinen direkten Kontakt zu Menschen gesucht und geht einer direkten Begegnung aus dem Weg. Derzeit gibt es keine Hinweise auf ein sicherheitsrelevantes Verhalten gegenüber Menschen. Trotzdem ist ein solches Verhalten unerwünscht und für die Anwohner vor Ort nicht dauerhaft zumutbar.

Das Sächsische Wolfsmanagement beobachtet die Lage weiterhin intensiv. Sofern es die Lage erfordert wird das Landratsamt Görlitz geeignete Maßnahmen entsprechend des Managementplans für den Wolf in Sachsen veranlassen.“

Zahlreiche Natur- und Wolfsschutzverbände, wie NABU, IFAW, WWF, GzSdW und der Freundeskreis freilebender Wölfe halten der nun getroffenen Abschussentscheidung entgegen, dass es sich dabei offensichtlich um einen politischen Entschluss gehandelt haben muss, da ihrer Ansicht nach Sachgründe fehlen. Einige von ihnen prüfen derzeit offenbar rechtliche Schritte gegen die Abschussfreigabe. (*3)


Quellen:

(*1) Change.org, www.change.org, Petition: „Wolf Pumpak muss weiter leben“, Urheberin Brigitte Sommer, abgerufen am 22.01.2017, hier der Link!

(*2) Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“, www.wolf-sachsen.de, Infobrief 2017-01/ Jahresrückblick Wölfe in Sachsen 2016 vom 16.01.2017, abgerufen am 17.01.2017 hier zum entsprechenden Wolfsmonitor-Artikel!

(*3) Gemeinsame Stellungnahme der Umweltverbände IFAW, NABU und WWF zum angekündigten Wolfs-Abschuss in Sachsen vom 20. Januar 2017

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