3 Antworten von Ludger Schomaker, NABU-Vorsitzender in Barnstorf

Ludger Schomaker, gelernter Landwirt und Umweltschutztechniker, ist NABU- Vorsitzender in Barnstorf, der Region also, in der die weithin bekannte Goldenstedter Wölfin (auch als Barnstorfer Wolfsfähe bekannt) heimisch ist. Die Wölfin erlangte überregionale Bekanntheit, weil sie für zahlreiche Übergriffe auf Nutztiere verantwortlich gemacht wurde und weil über 70.000 Teilnehmer einer Petition sich – trotz dieser Übergriffe – für die Wölfin und einen verbesserten Herdenschutz in der Region Vechta aussprachen. Seit einiger Zeit soll die Wölfin in Begleitung eines Rüden unterwegs sein. In den überregionalen Medien wurde es zuletzt ruhiger um das Wolfspaar.

WOLFSMONITOR: Herr Schomaker, es gibt, obwohl es sie bereits seit etwa 19 Jahren in Deutschland gibt, nur wenige Wölfe, die überregionale Bekanntheit erlangten. Neben „Einauge“, Wanderwolf „Kurt“, dessen Bruder „Kurti“ und „Pumpak“ gehört die Goldenstedter Wölfin wegen ihrer Nutztierübergriffe ohne Zweifel dazu. Zuletzt hieß es, die Wölfin sei mit einem Rüden gesehen worden. Wie steht es zurzeit Ihres Wissens um die beiden?

Ludger Schomaker: Wir gehen davon aus, das der verunfallte Rüde aus Visbek vom 11. April nicht der Wolfsrüde ist, der mit „unserer“ Fähe seit letztem Jahr gesehen worden ist. Demnach kann man davon ausgehen, so die Biologie es will, das wir auf dem besten Weg einer Rudelbildung in der Region Diepholz/ Vechta sind.

Die Bedingungen für das zukünftige „Barnstorfer Rudel“ sind generell nicht schlecht, besieht man sich die jährlichen Jagdstrecken der hiesigen Jägerschaften. Natürlich ist mir klar, das diese Medaille auch eine andere Seite hat; die von Ihnen angesprochene erhöhte Risszahl bei Nutztieren, vornehmlich Schafen.

Wir müssen endlich lernen, eine bessere Vorsorge für diese Tiere zu treffen, um die Übergriffe zu minimieren. Da reicht es nicht, nur die Bedingungen des Grundschutzes zu erfüllen. Um nur ein Beispiel zu nennen, bei einer Vielzahl der Risse hätte durch einfaches abendliches Aufstallen der Tod der Tiere verhindert werden können.

Natürlich bedeutet diese neue Situation „Wolf“ Mehraufwand und oft auch Mehrkosten, aber Leben ist Veränderung und man gewöhnt sich daran. Wir beispielsweise halten wir seit Jahrzehnten Pferde und mussten früh lernen, mit einem erhöhten Aufwand zu leben, wir wohnten in einer Region, wo ein Pferderipper sein Unwesen trieb. Damals haben wir es uns angewöhnt, unsere Tiere nachts in den Stall zu holen und haben es bis heute beibehalten… Gewohnheit!

Die vielfach gewünschte Entnahme der „Goldenstedter Fähe“ würde die Situation für Nutztierhalter nicht verändern; es käme der nächste Wolf! Auch er würde Nachlässigkeiten bei der Haltung ausnutzen und es gäbe wieder einen vermeintlichen „Problemwolf“. Will man seine Tiere dauerhaft schützten, muss sich der Halter einen effektiven Schutz angewöhnen und das ist meiner Meinung nach wirklich alternativlos. Ein Leben mit dem Wolf ist auch als Nutztierhalter möglich.

WOLFSMONITOR Kürzlich gab es eine „Wolfsveranstaltung“ bei Ihnen, auf der die örtlichen Wolfsbefürworter auf die Wolfsbedenkenträger Ihrer Heimat trafen. Sie waren dabei. Welches Fazit ziehen Sie?

Ludger Schomaker: Die Barnstorfer Veranstaltung kann als relativ gelungen bezeichnet werden. Zugegeben, die Wolfsbedenkenträger, wie Sie sie nennen, waren deutlich in der Mehrheit. Der Grund ist aber durchaus nachvollziehbar. Zum Einen stand der Abend unter dem Motto „Die Barnstorfer Wölfe – Gefahr für Nutztiere oder Bereicherung der Ökosysteme“ und sprach somit in erster Linie die (betroffenen) Nutztierhalter an.

Zum Anderen musste ich in den vergangenen Jahren feststellen, das sich hier auf dem Lande Befürworter des Wolfes häufig nicht „outen“ mögen. „Alle sind gegen den Wolf, der Bürgermeister, der Pastor, der Schützenbruder,… mein Nachbar. Wie sieht das denn aus, wenn ich mich als einziger über die Rückkehr des Wolfes freue.“

Das hat viel mit der dörflichen Gemeinschaft und deren Strukturen zu tun. Für fachliche Informationen sorgten an dem Abend die Referenten Frau Kottwitz (Staatssekretärin im Umweltministerium), Verena Harms (Wolfsbüro NLWKN) und Raoul Reding (Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft).

Schade war, das Frau Harms bei ihren Ausführungen zur DNA-Analytik aufgrund allgemeiner Unruhe unterbrochen wurde und ihre Erläuterungen stark verkürzen musste.

Dabei wird gerade in unserer Region das Thema Wolfshybriden von Wolfsgegnern ständig hochgehalten und sogar regelmäßig ein selbstfinanziertes Labor in Hamburg zur Gegenanalyse bemüht.

Schade auch deshalb, weil die Biologin Frau Harms ehemals beim Senckenberg Institut tätig war, das Labor für Wolfsgenetik schlecht hin. Vielleicht war das ein Zeichen dafür, das man an diesem Abend die Wahrheit gar nicht hören wollte.

WOLFSMONITOR: In letzter Zeit organisieren einzelne Interessensverbände sogenannte „Mahnwachen“. Dabei werden Feuer angezündet, um am Rande über die Sorgen der Nutztierhalter ins Gespräch zu kommen. Als Aufhänger für dieses „Kommunikationsformat“ werden nicht selten die Wölfe als angebliche „Plagegeister“ instrumentalisiert, obwohl es offenkundig ist, dass Schäfereien vielerorts aus allen möglichen Gründen aufgeben, aber nicht allein wegen der Wölfe. Auch in Ihrer Region werden solche Mahnfeuer angezündet. Was halten Sie davon?

Ludger Schomaker: Mahnfeuer gegen ein hier ehemals heimisches Wildtier, das unsere Vorväter ausgerottet haben? Mir erschließt sich nicht ganz der Sinn dieser Mahnfeuer. Was wollen die Veranstalter erreichen?

Verfolgt man aufmerksam die sozialen Netzwerke so werden die Mahnfeuer häufig von vehementen Wolfsgegnern initiiert, was leicht den Schluss zulässt, das eine erneute Ausrottung des Beutegreifers Wolf gewünscht wird!

Würde andersherum für jede unzureichend geschützte Nutztierweide ein Mahnfeuer entzündet, hätten nicht nur die großen Städte ein Feinstaubproblem.

„Tröstlich“ nur, das viele dieser Mahnfeuer gegen den Wolf einen Dorffestcharakter haben; hier treffen sich Nachbarn und Bekannte zum Klönen und für das leibliche Wohl ist auch häufig gesorgt. Vielleicht sogar durch örtliche Politiker gesponsert, als eine Art PR-Aktion für die nächste Wahl, mit dem Wahlversprechen „Wir machen alles besser!“…

WOLFSMONITOR: Vielen Dank für das Interview, Herr Schomaker!

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