3 Antworten von Wolfsberater Uwe Martens

Uwe Martens (49) ist ehrenamtlicher Wolfsberater und Rissgutachter im niedersächsischen Landkreis Lüneburg und im Heidekreis. Wolfsmonitor hatte nun Gelegenheit, mit dem Mitglied des „Freundeskreises freilebender Wölfe“ (*1) ein Interview über die Situation in Wietzendorf zu führen:


WOLFSMONITOR: Herr Martens, Sie sind bereits seit einigen Jahren im Großraum Lüneburg als Wolfsberater und Rissgutachter ehrenamtlich für das Land Niedersachsen tätig. Am 12. Februar veröffentlichte die Zeitschrift „LAND & Forst“ einen etwas beunruhigenden Online-Artikel (*2), nach dem Bauern in Wietzendorf – also in ihrem Zuständigkeitsbereich – die Weidetierhaltung wegen der dort ansässigen Wölfe aufgeben möchten. Ist die Lage dort wirklich so dramatisch, wie es der Bericht schildert?

Uwe Martens: Meines Wissens möchte ein Rinderhalter in Wietzendorf die Umzäunung seiner Weiden nicht um einen wolfsicheren Mindestschutz erweitern und deshalb die nebenberufliche Haltung von Weiderindern aufgeben. Ob die Präsenz von Wölfen für die Entscheidung ausschlaggebend ist oder diesen Entschluss letztlich beschleunigte, weiß ich nicht.

Bei diesem Halter gab es tote Rinder, an denen zum Teil Fraßspuren zu finden waren. Eine Untersuchung der Tiermedizinischen Hochschule Hannover zur Todesursache hat allerdings ergeben, dass diese Rinder nicht durch Wölfe getötet wurden sondern an einer Krankheit verendeten. Dieser Fall geistert aber immer noch als vermeintlicher Wolfsriss durch die Medien.

2014 gab es bei Wietzendorf einen Kälberriss bei einem anderen Halter. Der Riss erfolgte außerhalb der Wiese in einem Graben, weil das Kalb einen „Lämmerschlupf“ nutzte. Der Wolf hat das Kalb danach aus dem Graben auf die Wiese gezogen. Gefressen wurde jedoch fast nichts, was darauf hinweist, dass dies wahrscheinlich durch den Herdenverbund verhindert wurde.

Die Haltung dieser Rinder sah danach einen Nachtpferch vor. Im Folgejahr 2015 gab es in dem Nachtpferch einen weiteren Übergriff durch einen Wolf, bei dem schließlich 6 Kälber leicht verletzt wurden. Bei der Begutachtung der verletzten Tiere waren wir erst von 4 verletzten Kälbern ausgegangen. Durch die Dokumentation erhielten wir jedoch ein vollständiges Bild vom Geschehen. Alle Kälber waren hinten links an der Keule verletzt, was dafür sprach, dass die Tiere im Kreis gelaufen sind und der Wolf kein Kalb richtig erfassen konnte. Die Mutterkühe und der Bulle konnten bei dem Gedränge vermutlich keinen Gegenangriff starten. Allerdings sind letztlich 3 Kälber dabei durch die von den Bisswunden verursachten Infektionen verendet.

WOLFSMONITOR: Tatsächlich scheint es gemäß der von der Landesjägerschaft Niedersachsen veröffentlichten Rissstatistik in Ihrem Zuständigkeitsbereich gehäuft Übergriffe von Wölfen besonders auf Rinder zu geben. Woran glauben Sie liegt das?


Uwe Martens: Das Revier des Wietzendorfer Rudels liegt zum Teil in einer moorigen Landschaft, wo es nasse Wiesen gibt. Die Wiesen lassen sich nicht das ganze Jahr über mit Maschinen befahren, so dass sich die Freilandhaltung von Rindern anbietet. Für Schafe ist es auf solchen Flächen zu nass. Die Rinder allerdings sind teilweise nur sehr leicht eingezäunt.

Als sich im letzten Jahr mögliche Rissmeldungen von Rindern in der Gegend häuften, kam bei mir auch der Verdacht auf, dass die Wölfe es dort gelernt haben Rinder zu überwältigen, allein deshalb, weil die Gelegenheit dazu vorhanden war. Nach der Auswertung der Rissmeldungen sieht es nun im Gesamtüberblick jedoch wieder entspannter aus.

WOLFSMONITOR: Sie sind aufgrund Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Wolfsberater häufig im Gespräch mit der Landbevölkerung, nicht nur mit von Rissen geplagten Nutztierhaltern. Wie kann man Ihrer Ansicht nach besonders Rinder vor Wolfsübergriffen schützen?

Uwe Martens: Es ist erfreulich, dass der Herdenschutz auch bei Großtieren wie Rindern und Pferden zum Thema wird. Erst einmal empfehle ich die Weiden so einzuzäunen, dass der Wolf die Flächen nicht als Abkürzung seiner Wege nutzen kann. Auf diese Weise können mögliche Rissversuche aus der reinen Gelegenheit heraus vermieden werden. Bei Stacheldraht- oder Lattenzäunen kann zum Beispiel in den Zwischenräumen und über dem Boden ein stromführender Draht gespannt werden.

Auch das Thema Herdenschutzhunde ist bei Rindern interessant und am Entstehen. Noch in diesem Jahr wollen wir vom „Freundeskreis freilebender Wölfe“ ein Projekt eng begleiten und fördern, bei dem Herdenschutzhunde bei Rindern aufwachsen.

Herr Martens, vielen Dank für das Interview!


Quellen, Verweise:

(1) Freundeskreis freilebender Wölfe, www.freundeskreis-wolf.de, hier der Link zur Webseite!
(2) Online-Artikel „Wölfe verhindern Mutterkuhhaltung“ von Klaus von der Brelie am 12.02.2016 in LAND & Forst, abgerufen am 17.02.2016 von der Webseite www.agrarheute.com, hier der Link!

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