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Sind Reiter die modernen Rotkäppchen?

Ganz oben auf dem Speiseplan der Wölfe stehen Huftiere, um es genauer zu sagen: Paarhufer. Pferde sind zwar Huftiere, aber keine Paarhufer. Und nun? Die Frage, die viele Pferdehalter und Reiter seit der natürlichen Verbreitung des Wolfes umtreibt, ist die Frage nach der Sicherheit ihrer grasfressenden Vierbeiner.

Sind artgerecht auf der Weide und im Offenstall gehaltene Pferde in Gefahr, wenn Isegrim der Magen knurrt? Oder schlummern in unseren Pferden noch die Gene ihrer Urpferde, die an die Nachbarschaft mit dem Wolf gewöhnt waren? Können sich Reiter nicht mehr in den Wald trauen, weil sie, wie Rotkäppchen, vom „bösen Wolf“ überrascht werden könnten?

Neue Broschüre: Wege zur Koexistenz von Pferd und Wolf

Unter Federführung des Naturschutzbundes Deutschland, kurz NABU, bietet der „Arbeitskreis Pferd und Wolf“ einen neuen und kostenlosen 24-seitigen Leitfaden an, der aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse dokumentiert und Tipps für das situativ richtige Verhalten für Pferdehalter und Reiter bereithält.
Die aus 43 Quellen zusammengetragenen Informationen wurden, bevor sie Eingang in den Leitfaden fanden, fachlich-wissenschaftlich mit Biologen und Wissenschaftlern aus anderen Bereichen erörtert. Die Autoren betonen, dass die Wolfsheimkehr ein dynamischer Prozess ist, der es erfordert, weiterhin am Thema dranzubleiben, um weitere richtige Schlussfolgerungen zu ziehen sowie noch unbeantwortete Fragen klären zu können. Dennoch verfügt nun auch die “Pferdeszene” mit diesem Leitfaden über fachlich fundierte Informationen. Zuletzt war es auch hier zu einigen Irritationen aufgrund fragwürdiger Äußerungen verantwortlicher Verbandsfunktionäre gekommen.

Neue Broschüre: Sind Wölfe eine Gefahr für Pferde?

Nun liegt sie vor. Endlich, möchte man hinzufügen. Wiebke Wendorff, PR-Beraterin und Medienwissenschaftlerin (Centauri Kommunikation) hat nach Antworten auf die Fragen gesucht, ob und wie ein Nebeneinander von Pferden und Wölfen in Deutschland funktionieren kann. Sie ist Pferdeliebhaberin und Wolfsbefürworterin. Geht das eigentlich zusammen?

Schießen? Sofort Schießen?

In den sozialen Medien sorgte am Wochenende ein in der “taz”* unter der Überschrift „Schießen! Sofort Schießen!“ veröffentlichtes Interview mit dem Geschäftsführer des Bauernbundes in Brandenburg für Aufregung (hier der Link).


Kommentar:


Reinhard Jung ist Medienprofi. So sollte man meinen. Ein Blick auf seine Webseite offenbart zumindest, dass er bereits über einige Erfahrungen in diesem Metier verfügt (hier der Link). Trotzdem lässt er den Leser eher erraten, ob er dieses Interview als „Privatperson“ oder als Geschäftsführer des „Bauernbundes Brandenburg“, der sich übrigens als „christlich, konservativ und heimatverbunden bezeichnet und rund 400 bäuerliche Familienbetriebe repräsentiert, gegeben hat. Der Interviewte klingt, als gebe er seine persönliche Meinung von sich, das Interview selbst wird jedoch unter der Überschrift seines Verbandes veröffentlicht.


Bedenklicher sind jedoch die Inhalte, die dieser Funktionär absondert.